Bulgarien - Rumänien
Reisen
Dienstag 11. bis Montag 17. März 2025
Nach dem Zoll wollten wir noch Geld wechseln und eine Vignette fürs Auto kaufen. Aber ausser einem Wechselbüro gibt es nichts beim Grenzübergang Malko Tarnovo. Die Dame von der Wechselstube meint, dass oben beim Zoll ein Automat für die Vignetten sei. Haben wir nicht gesehen und zurück gehen wollen wir nicht. Also versuchen wir es online zu erledigen, aber der Internetempfang ist schlecht, wir können keine lösen.
Wir fahren los und schon nach einem Kilometer wird man von einer Kamera erfasst... kurz danach verlassen wir die Hauptstrasse und folgen einer Nebenstrasse 60km bis zur Küste. Die schlechte Strasse führt durch den Wald und ist sehr kurvenreich. Wir benötigen fast zwei Stunden bis runter ans Meer. Aber dank der Zeitumstellung, Bulgarien ist nur noch eine Stunde verschoben zur Schweiz, gewinnen wir wieder eine Stunde. Irgendwo im Wald halten wir an, unternehmen eine Pinkelrunde mit Caja und versuchen noch einmal online eine Vignette zu lösen. Und siehe da, es funktioniert. Wir lösen ein 7-Tage Ticket. Von nun an sind wir wieder legal unterwegs! In Bulgarien sind praktisch alle Strassen ausserhalb der Ortschaften Mautpflichtig... Man hat eigentlich keine Chance ohne Vignette das Land zu durchqueren.
Wir kreuzen immer wieder Fahrzeuge der Border Control. Da die 270km lange Grenze hier zwischen der Türkei und Bulgarien auf über 600m, in einem riesigen Waldgebiet liegt, ist sie sehr schlecht zu kontrollieren. Andererseits gibt es auch wenige Wege über und an die, mit Stacheldraht gesicherte Grenze. Die Grenzsicherung ist noch eine Folge des Kalten Krieges, allerdings schützte der Ostblock die Grenze, dass keine Menschen aus dem Land flüchten konnten. Es gibt wenige Strassen in der Region und so kontrollieren die Zöllner hauptsächlich die wichtigen Strassen.
Unten an der Küste, in Zarewo, erreichen wir das Meer. Jetzt brauchen wir nur noch einen Schlafplatz. Die erste Nacht in einem für uns unbekannten Land ist immer ein wenig speziell. Man weiss nicht wie streng die Polizei ist, man kennt die Mentalität der Einheimischen gegenüber Campern nicht. Wir orientieren uns an der App Park4Night und finden einen Stellplatz auf den Klippen direkt am Meer. Leider windet es sehr stark und wir stehen nicht so optimal zum Wind. Aber gemäss Wetterapp sollte der Wind später in der Nacht nachlassen. Manchmal kann man nicht richtig in den Wind stehen, da das Gelände keine andere Position zu lässt. Normalerweise versucht man auch so zu stehen, dass man, bei einem Notfall, Schlechtwetter oder irgend etwas, einfach losfahren kann und nicht zuerst noch das Fahrzeug wenden muss. Auf jeden Fall geniessen wir einen schaukelnden Abend wie früher im Schnellzug.
Am Morgen ist das Wetter besser und wir können sogar ein paar Sonnenstrahlen erhaschen. Caja hat Freigang und erkundet die Umgebung um den Camper. Aber nur, weil in Bulgarien, gegenüber der Türkei, Griechenland und dem Balkan, praktisch kein Abfall herum liegt.
Später fahren wir 25km weiter Richtung Süden zum südöstlichsten Punkt von Bulgarien und der EU, an der Grenze zu der Türkei. Die holperige Strasse führt uns durch viel Wald und durch zwei Ortschaften, wo wir das Gefühl haben, in einer anderen Zeit aufgeschlagen zu haben oder vielleicht ist es noch der Ostblock Standard... Armselige, heruntergekommene Wohnblocks, ärmliche Häuser, Roma Quartiere, alte Autos, Bauruinen, riesige Fabrikgebäude, welche zerfallen und Abfall am Strassenrand. Auch ein verlassener Militärstützpunkt befindet sich in der Gegend. Wir staunen und staunen...
Irgendwo im Wald passieren wir einen Kontrollposten der Border Control, aber in diese Fahrtrichtung haben sie kein Interesse an uns und erwidern nur unser Winken.
Im Grenzort Rezovo ist es danach wieder besser. Hier scheint so etwas wie Sommertourismus aufgekommen zu sein. Es hat Restaurants und Ferienwohnungen aber im Moment ist nicht Saison und alles ist geschlossen. Es ist ein interessanter Grenzort. Auf der türkischen Seite befindet sich ein langer Sandstrand auf einer Halbinsel, welche vom Grenzflüsschen Mutlu abgetrennt wird. Der schöne Strand ist aber militärisches Sperrgebiet und auf bulgarischer Seite wird einem abgeraten, den Fluss zu durchschwimmen um an den Strand zu gelangen...
Wir schiessen unser Föteli von diesem strategisch wichtigen Ort und fahren anschliessend wieder durch die bewaldete Landschaft nach Norden.
Beim Kontrollposten werden wir jetzt aber angehalten und freundlich nach unseren Ausweisen gefragt. "Ah, Swiss, welcome to Bulgaria, enjoy and have a good trip". Wir bedanken uns und fahren weiter wieder durch die "tollen" Dörfer.
Danach suchen wir "Beglik Tasch", ein thrakisches Heiligtum (ca. 16 v. Chr.) mit riesigen künstlichen & natürlichen Felsformationen. Vom Parkplatz muss man noch ca. 45 Minuten marschieren. Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der Aussicht auf Regen, lassen wir es bleiben, die Steine anzuschauen. Unterdessen fährt ein Deutscher Toyota Landcruiser vor. Ein ähnliches Fahrzeug hatten wir 2002 in Australien für drei Monate gemietet... das war auch eine schöne Reise.
Wir kommen ins Gespräch mit dem Deutschen, also er mit uns... nach über einer halben Stunde kennen wir seine ganze Geschichte. Hier die Kurzfassung: Er ist seit Jahren, nach einem Schlaganfall, alleine mit seinem Landcruiser unterwegs. Kompliment für den Mut und den Willen. Er bereiste auf dieser Tour Griechenland, die Türkei, Georgien und den Iran. Bei früheren Reisen war er auch schon in diesen Regionen unterwegs aber auch in Nord- und Südamerika.
Im Moment ist er auf dem "Heimweg" durch Bulgarien und Rumänien. Er will wieder einmal seine Tochter in Deutschland besuchen.
Als nächstes Ziel haben wir Sozopol auf dem Plan. Wir Parken auf dem Stellplatz in der Marina, wo wir die "guten", grosszügigen, sauberen Sanitäranlagen benützen dürfen und eine ruhige Nacht im Hafen, neben grossen Yachten verbringen. Es windet und ist recht kalt, nichts mit "vor dem Camper höckeln und Aussicht geniessen". Am nächsten Morgen ist es angenehmer mit Wind und Wärme. Wir erkunden den touristischen Ort mit dem langen Sandstrand, wo im Sommer tausende von Sonnenhungriger ihre Körper bräunen und der hübschen, sehenswerten "Altstadt" auf der Landzunge. Caja hat wieder ihren Stress mit den Katzen, aber langsam wissen wir, wie wir sie an die Leine nehmen müssen... Zu unserer Belohnung essen wir zu Mittag eine bulgarische Spezialität.
Am Nachmittag fahren wir weiter nach Burgas. Die grosse Stadt hat um die 200'000 Einwohner und einen kilometerlangen Strand. In der Stadt selber befindet sich eine nette Fussgängerzone, die meisten Gebäude sind immer noch im "kommunistischen", düsteren Grauton... aber es gibt viele Farbtupfer und moderne Läden.
Wir stellen unseren Camper in den neuen Hafen auf einen Parkplatz zwischen dem "International Congress Center" und dem Terminal der Kreuzfahrtschiffe, neben dem Hafenkran. Anschliessend unternehmen wir noch einen Spaziergang, bei starkem Wind aber nicht einmal so kalt, durch den Park und dem langen Strand entlang bis zum Pier.
Am nächsten Morgen, es ist angenehm warm. Beim Frühstück sehen wir einen riesigen Schwarm Störche über dem Hafen kreisen. Offensichtlich sind sie auf dem Rückflug vom Süden zurück nach Mitteleuropa.
Anschliessend erkunden wir die Stadt und die übersichtliche Fussgängerzone mit vielen Läden, Shops, Cafes und Restaurants wie bei uns. Man findet sich gut zurecht, Burgas ist ein netter Ort.
Danach fahren wir weiter der Küste entlang durch mondäne Badeorte mit riesigen Wasserparks, Resort- und Hotelanlagen, langen Sandstränden - Costa Brava am Schwarzen Meer.
Nach Obsor biegen wir einfach einmal rechts ab Richtung Beach und tatsächlich können wir zwischen den Hotelanlagen auf einem Parkplatz an der Beach mit Meersicht übernachten. Die riesigen Hotels sind alle leer und geschlossen. Wir spazieren noch ein wenig durch den Sand und sammeln Muscheln, Caja springt wie gestört herum, sie muss wieder einmal Energie abbauen...
Am Abend können wir im Camper direkt am Strand einen sensationellen Vollmondaufgang im Meer beobachten und eine sehr ruhige Nacht verbringen.
Kurz bevor wir am Samstagmorgen weiterfahren, erscheinen zwei deutsche Womos auf dem Parkplatz. Sie sind scheinbar nicht das erste Mal an diesem Standort. Wir plaudern noch ein wenig mit den Bayern und verabschieden uns danach. Vielleicht treffen wir uns noch einmal, sie haben eine ähnliche Rückreise wie wir.
Von hier ist die Strasse weiter von der Küste weg im Hinterland. Wir erreichen Warna, die nächste Grossstadt an der Küste. Wir haben vorgängig einen bewachten Parkplatz beim Bahnhof ausfindig gemacht, welcher zentrumsnahe ist. Hafen- und Bahnhofsquartiere sehen recht schäbig aus. Wir schlendern weiter Richtung Stadtzentrum und bestaunen die alten, heruntergekommenen Gebäude wo immer noch Leute wohnen und Business stattfindet. Weiter oben erreichen wir die schöne, einladende Fussgängerzone von Warna. Im Zentrum ist es eine schöne Stadt, mit modernen und restaurierten Gebäuden. Nach dem Rundgang genehmigen wir uns eine Pizza in einem Gartenrestaurant bei angenehmen Temperaturen. Nach der feinen Pizza spazieren wir weiter durch die sehr belebte Fussgängerzone zum Sea Garden Park und danach dem Strand entlang, mit den vielen Beachclubs mit lauter Musik, zurück zu unserem Camper. Warna hat uns, nach anfänglichem Misstrauen, gut gefallen. Der Ort ist sehr touristy, jetzt im Frühling für uns noch angenehm, im Sommer möchten wir allerdings nicht hier sein.
Wir fahren weiter, füllen noch unseren Wassertank bei einem Brunnen beim Aladja-Kloster. Den Besuch lassen wir aus, da es so viele "Gläubiger" hat...
Unterdessen ist wieder das Thema Schlafplatz. In keiner App finden wir in der Nähe einen geeigneten Platz.
Im Googlemaps sehen wir an der Golden Beach einen Parkplatz am Strand, welcher in dieser Jahreszeit sicher nicht gross benutzt wird. Und tatsächlich ist der Parkplatz an einem alten Hafen und am Ende der Hotelanlagen leer.
Für uns perfekt und die vielen Fischer am nächsten Morgen stören uns auch nicht, sie sind angenehme, ruhige Strandbenutzer...
Wir folgen weiter der Küstenstrasse und besuchen das Kap Kaliakra, auf der langen, schmalen Landspitze mit 70 m hoher Felsküste zum Schwarzen Meer. Es weht wieder ein starker Wind und wir Picknicken noch im Camper, als ein Auto langsam vor uns vorbei fährt und weiter vorne anhält.
Der Fahrer steigt aus und kommt zu uns und interessiert sich für unser Fahrzeug.
Wir kommen ins Gespräch, er kann sogar ein paar Brocken Deutsch und Englisch spricht er recht gut. Er wohnt in Warna, aber seine Eltern wohnen hier im nahen Dorf. Er gibt uns ein wenig Geschichtsunterricht, über die neuere Zeit und über früher. Da ein Nato-Stützpunkt in der Nähe sei, höre man oft die Kampfflugzeuge starten, wegen dem Krieg in der Ukraine. Auch von früher, der uneinnehmbaren Festung und dass es sicher sehenswert sei.
Er staunt, dass wir Bulgarien bis jetzt als sauber und die Menschen als freundlich empfunden haben. Wir bedanken uns für seine Ausführungen. Er stellt sich vor, er sei Ivan und wir wünschen uns gegenseitig alles Gute.
Danach besichtigen wir die Landzunge und bestaunen die Sehenswürdigkeiten. Aber der Wind ist sehr unangenehm und so sind wir froh, bald wieder beim Camper zurück zu sein.
Wir fahren weiter der Küste entlang, fahren kurz zum "Yaylata National Archeologic Reserve", aber wegen dem Wetter gibt es nur eine kurze Visite. Alles Wissenswerte kann hier nachgelesen werden. Anschliessend treffen wir auf das "Shabla Lighthouse", dem östlichsten Punkt von Bulgarien. Der Ort ist nicht so auf Touristen eingestellt, haben wir das Gefühl.
Zum Übernachten fahren wir etwas nördlicher an die Küste bei der Shabla-Beach. Es hat ein paar geschlossene Beach-Bars und ein Camping. Es werden auch viele neue Häuschen gebaut. Am Schluss vom Weiler finden wir einen Platz am Strand und haben eine sehr ruhige Nacht.
Am Morgen kommen zwei Fischer und fahren mit ihrem Bötchen aufs Meer hinaus, sammeln ihre Reusen ein und kommen zurück an Land. Der Fang wird ins Auto eingeladen und das Boot wird über den Sandstrand auf den Anhänger hochgezogen und aufgeladen. Wir winken uns gegenseitig, als sie wegfahren. Das Wetter wird schlechter und wir schauen, dass wir wieder festen Untergrund erreichen, bevor es richtig anfängt zu regnen.
Nach etwa dreissig Kilometer durch leichten Regen kommen wir an die Grenze zu Rumänien. Eigentlich sind Bulgarien und Rumänien seit anfangs Jahr in Schengen und sollten keine internen Grenzkontrollen mehr machen, aber den Zöllnern hier ist wahrscheinlich ihre Autorität etwas abhanden gekommen. Jedenfalls fordert der arrogante Beamte nur "Paper"! Andi stellt sich doof, seit wann muss man in der EU/Schengen bei einem Grenzübertritt Ausweise zeigen... Der Uniformierte verlangt mit Nachdruck unsere Ausweise. Der "Capo" geht zum Schalter um sie zu kontrollieren und die zwei Anderen, eine Älterer und einer in einer rumänischen Uniform "dürfen" widerwillig unser Fahrzeug kontrollieren. Als sie bei der geöffneten Hecktüre merken, dass es ein Wohnmobil ist, müssen wir noch formell die Seitentüre öffnen und die Kontrolle ist beendet. Unterdessen sind auch unsere Ausweise gecheckt und wir dürfen Bulgarien verlassen und in Rumänien einreisen.
Ausser dieser Grenzkontrolle hat uns Bulgarien, jedenfalls das kurze, von uns bereiste Stück, recht gut gefallen. Wir waren überrascht, wie sauber das Land ist. Es hat auch Müllhalden aber es liegt nicht überall Abfall herum, wie in anderen Länder.
Zudem fühlten wir uns auch recht sicher und die Menschen sind sehr freundlich.
Nun gehts weiter durch Rumänien.